Das Hauptanliegen der relativ jungen medizinischen Disziplin Anästhesie ist die Bekämpfung und Ausschaltung des Schmerzes. Die Anfänge liegen Jahrhunderte zurück, aber erst das 19. und 20. Jahrhundert verzeichnete eine wirkliche Revolution der Narkosetechnik, so dass es heute fast immer möglich ist, Operationen ohne Einschränkungen durch hohes Alter oder schwere Begleiterkrankungen durchzuführen.
Neue technische Verfahren haben die Narkose für den Patienten angenehmer und vor allem noch sicherer gemacht: So ist eine der wegweisenden Entwicklungen der letzten 10 Jahre die kontinuierliche Messung der Hirnströme (mittels EEG: Narcotrend®), da dadurch die Schlaftiefe der Patienten während der Narkose bestimmt werden kann. An der Einführung in die klinische Praxis war unser Zentrum maßgeblich beteiligt.
Historie
1846 demonstrierte William Thomas Green Morton die erste erfolgreiche Äthernarkose. Nach diesem für die gesamte Medizin historischen Tag jagten die Neuentwicklungen und Entdeckungen einander nahezu im Jahresrhythmus: Neue Narkosemittel wurden entwickelt, Anästhesiemethoden in der Praxis getestet: 1920 wurde die endotracheale Intubation und damit die Möglichkeit der künstlichen Beatmung, 1942 das muskellähmende Mittel Curare, ein Pfeilgift der Indianer, in die klinische Praxis eingeführt.
1952, während der Poliomyelitis- Epidemie (Kinderlähmung), überlebten die Patienten nur dank der künstlichen Beatmung – meist von Hand, selten von neu entwickelten Maschinen übernommen – die Akutphase der Infektion. 1961 wird die sogenannte Neuroleptanalgesie als besonders Kreislaufschonendes Narkoseverfahren entwickelt. Somit konnte die Narkose bei kranken und älteren Patienten deutlich risikoärmer gestaltet werden. Die Entwicklung neuer, besonders schonender Narkosemedikamente und die Innovation noch risikoärmerer Anästhesiemethoden für den Patienten kennzeichnen die vergangenen Jahrzehnte.