Anatomie und Funktion des Magens
Der Magen gehört zu unserem Verdauungstrakt und liegt sich zwischen Milz und Leber im linken Oberbauch unterhalb des Zwerchfells. Am oberen Ende mündet die Speiseröhre ein, am unteren Ende geht der Magen am so genannten Pförtner, einem ringförmigen Schließmuskel, in den Zwölffingerdarm über. Der Magen wird in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt: Man unterscheidet den Mageneingang im Bereich der Speiseröhrenmündung (Cardia); den Magenfundus, der sich kuppelartig nach oben unter das Zwerchfell wölbt; den Magenkörper (Corpus) und den Bereich des Antrums vor dem Pförtnermuskel (Pylorus).
Die bedeutendste Funktion des Magens besteht darin, die Nahrung aufzunehmen und mit Hilfe der Magensäure und Verdauungssekrete zu einem gut durchmischten Speisebrei zu verarbeiten, diesen für einige Zeit zu speichern und anschließend in den Dünndarm weiterzutransportieren, wo er im Verlauf weiter verdaut wird. Der Magen eines Erwachsenen ist – bei mäßiger Füllung – etwa 25 bis 30 cm lang, sein Fassungsvermögen liegt zwischen 1,6 und 2,4 Litern.
Bösartige Tumoren des Magens (Magenkrebs, Magenkarzinom) entwickeln sich meist in der Magenschleimhaut. Hierbei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Zellen des Magens, die für die Entstehung des Tumors verantwortlich sind. In 95 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Magensaft produzierende Drüsenzellen. Diese Tumoren bezeichnet man medizinisch auch als Adeno-Karzinome. Viel seltener entarten lymphatische Zellen (MALT-Lymphom) oder Zellen von Muskel- oder Bindegewebe (Sarkom).
Häufigkeit
Pro Jahr erkranken in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 17.850 Personen an Magenkrebs, davon rund 10.600 Männer. Bei Männern stellt Magenkrebs die fünfthäufigste Tumorerkrankung dar, bei Frauen die achthäufigste. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 69 Jahren und bei Frauen bei 72 Jahren. Trotz rückläufiger Erkrankungszahlen gehört der Magenkrebs noch immer zu den häufigsten tumorbedingten Todesursachen.
Risikofaktoren
Die Ursachen für die Entstehung von Magenkrebs sind bisher nicht vollständig geklärt. Faktoren, die das Risiko an Magenkrebs zu erkranken erhöhen sind neben einer gewissen erblichen Veranlagung, Ernährungsfaktoren, Rauchen sowie eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
Insbesondere der häufige Verzehr stark gesalzener Speisen und ein geringer Konsum von frischem Gemüse und Obst sind als Risikofaktoren belegt. Des Weiteren scheinen gepökelte, gegrillte und geräucherte Speisen das Auftreten von Magenkrebs zu fördern.
Ferner ist große Aufmerksamkeit geboten, wenn trotz konsequenter medikamentöser Behandlung ein Magengeschwür nicht ausheilt und immer wiederkehrt.
Symptome
Häufig sind die klinischen Symptome zu Beginn der Erkrankung unspezifisch. Diese werden oft gar nicht beachtet oder als harmlose Nahrungsunverträglichkeiten fehlgedeutet. Folgende Beschwerden können jedoch Warnsignale sein. Das gilt insbesondere dann, wenn die Symptome bei geregelter Lebensführung und Therapie länger als ein bis zwei Monate anhalten.
Oberbauchbeschwerden
Druck- und Völlegefühl
Aufstoßen
Mundgeruch
Übelkeit
Erbrechen
Blähungen
Appetitlosigkeit
Plötzliche Abneigung gegen bestimmte Speisen, besonders gegen Fleisch
Ungewollter Gewichtsverlust, Leistungsminderung und Schwäche
Schwarzer Stuhlgang („Teerstuhl“)
Blässe und Abgeschlagenheit
Leistungsabfall
Diagnostik
Neben der körperlichen Untersuchung sind eine Stuhl- und Blutuntersuchung sowie eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) des Oberbauchs zu empfehlen. Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) sollte möglichst frühzeitig, vor Einnahme von Medikamenten durchgeführt werden. Die Magenspiegelung ist die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchung zur Feststellung eines Magentumors. Bei dieser wird nicht nur die Speiseröhre, sondern auch der Magen und der Zwölffingerdarm untersucht. Bei der Betrachtung der Schleimhäute können Veränderungen festgestellt und, wenn nötig, gezielt Gewebeproben entnommen werden. Gleichzeitig werden die Proben auf Infektionen hin geprüft, z. B. auf das Bakterium Helicobacter pylori.
Zusätzlich können angezeigt sein:
Endosonographie (endoskopischer Ultraschall)
Röntgenaufnahmen der Lunge
Computertomographie (CT)
Bauchspiegelung (Laparoskopie)
Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber
Therapie
Als Therapieoptionen kommen folgende Methoden in Frage:
Operation
Chemotherapie
Strahlentherapie
Das wichtigste und entscheidende Verfahren zur Behandlung von Magenkrebs ist die Operation, da eine Heilung nur durch die vollständige Entfernung des gesamten Tumorgewebes möglich ist. Sehr häufig muss dabei der gesamte Magen entfernt und der Dünndarm direkt mit der Speiseröhre verbunden werden. Gleichzeitig erfolgt in der Regel eine Entfernung des Lymphabflußgewebes um den Magen herum, da dort häufig erste Tumorabsiedelungen zu finden sind. Wenn möglich, wird dabei durch eine intraoperative Darstellung des Lymphabflusses die Stelle ermittelt, die am Wahrscheinlichsten eine Absiedelung enthält (sog. „Wächterlymphknoten-Entfernung“). Bei kleinen Tumoren, welche nur das letzte Magendrittel betreffen, kann unter Umständen der obere Anteil des Magens belassen werden, was die Heilung nach dem Eingriff begünstigt und auch die Nahrungsaufnahme erleichtert. Wenn dies nicht möglich ist, wird häufig aus dem nach oben, an die Speiseröhre verlagerten Magen ein kleiner, aber dehnungsfähiger Ersatzmagen gebildet, um die fehlende Reservoirfunktion nach Magenentfernung auszugleichen. Aber auch ohne Magen oder Ersatzmagen ist eine selbständige Ernährung problemlose möglich, wenn die Mengen der Nahrungsaufnahme angepasst und auf eine sinnvolle Ernährung geachtet wird (eine Ernährungsberatung ist in diesen Fällen zu empfehlen).
Als weitere Behandlungsmöglichkeiten stehen die Chemotherapie und in manchen Fällen auch eine Kombination aus Operation, Chemotherapie und Strahlenbehandlung zur Verfügung.
Zeigt sich zum Beispiel in Voruntersuchungen, dass der Tumor bereits fortgeschritten gewachsen ist oder dass der Tumor in umgebende Lymphknoten gestreut hat, sollte man zunächst versuchen, ihn durch eine Chemotherapie über einen Zeitraum von ca. 9 Wochen zu verkleinern und abzukapseln bevor die Operation erfolgt (neoadjuvante Chemotherapie). In der Regel wird die Chemotherapie nach der Operation dann nochmals über neun Wochen fortgesetzt. Ob eine solche Kombination aus Chemotherapie und Operation notwendig ist, wird heute im Rahmen einer Tumorkonferenz, durch Ärzte unterschiedlicher Fachdisziplinen gemeinsam entschieden.
Haben sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in Leber, oder entfernteren Körperregionen gebildet, ist eine Heilung selten. Eine Operation wird dann meist nur im Notfall (Blutung, Durchbruch, sog. „Perforation“) durchführt. Einen Sonderfall stellt der ausschließliche Befall des Bauchfells dar. Wenn die Manifestation in diesem Bereich chirurgisch vollständig entfernbar sind, kann dies zusammen mit einer Magenentfernung erfolgen und mit einer unmittelbar anschließenden Chemotherapie-Durchströmungsbehandlung kombiniert werden (sog. „HIPEC“= „Hypertherme IntraPEritoneale Chemoperfusion“). Eine anschließende, systemische Chemotherapie schließt das Behandlungskonzept ab. Nach einer solchen, komplexen Behandlung sind für Patienten mit Bauchfellbefall eine längere Zeit der Tumorfreiheit oder sogar Heilungen möglich.
Bei ausgedehnten Tumoren, die bereits Metastasen gebildet haben, hat die Chemotherapie das Ziel, die Tumorerkrankung zurückzudrängen oder das Tumorwachstum zumindest für eine gewisse Zeit zum Stillstand zu bringen und Beschwerden zu lindern (sog. palliative Chemotherapie).
Die Strahlentherapie wird bei Magenkrebs gelegentlich eingesetzt, wenn ein Patient nicht operiert werden kann oder auf eine Chemotherapie nicht anspricht.
In jüngster Zeit wird die Strahlentherapie in Kombination mit einer Chemotherapie auch zusätzlich vor der Operation durchgeführt. Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren kann sie zusätzlich zur Chemotherapie zu einer Verkleinerung des Tumors beitragen und damit die vollständige Entfernung bei der Operation erleichtern (neoadjuvante Chemo-Radiotherapie).
Palliativbehandlung
Ist die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten, dass eine Heilung oder eine wirksame Tumorbehandlung nicht mehr möglich sind, kommt der so genannten Palliativtherapie besondere Bedeutung zu. Ihr Ziel ist es, die tumorbedingten Beschwerden (Schmerzen, Schluckstörung, Schwäche, Übelkeit und andere) zu behandeln und, so gut es geht, zu lindern. Besondere Erfahrung haben Ärzte, die im Bereich von Palliativstationen oder Palliativambulanzen tätig sind.
Nachsorgeuntersuchungen
Konnte durch die Behandlung der Tumor entfernt werden, erfolgen in bestimmten Zeitpunkten Nachuntersuchungen. Diese dienen vor allem dazu, unerwünschte Folgeerscheinungen des Organverlustes zu erkennen und zu behandeln (Leben ohne Magen).
Die Nachsorgeuntersuchungen finden in den ersten beiden Jahren in der Regel alle drei Monate, später alle sechs Monate statt. Art und Umfang der Nachsorgeuntersuchungen hängt von der individuellen Situation ab.
Bei der Nachsorge geht es jedoch nicht nur um medizinische Untersuchungen, sie beinhaltet auch die Nachbetreuung des Patienten. Die meisten Menschen sind nach einer Krebsbehandlung körperlich und seelisch stark belastet. Die Nachbetreuung soll helfen, die Krankheit zu verarbeiten und die vielfältigen Probleme zu bewältigen.
Ernährungsberater oder Diätassistenten können bei Fragen zur Ernährungsumstellung behilflich sein.
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