KRH erwirtschaftet bereits 2016 einen Überschuss

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Trendwende ist geschafft – Nachhaltigkeit steht im Vordergrund

Freuen sich über das beste wirtschaftliche Ergebnis in der Geschichte des Klinikums Region Hannover (KRH): (v. l.) Michael Born, KRH Geschäftsführer Personal, Dr. Matthias Bracht, KRH Geschäftsführer Medizin, Elke Nobel, Stellvertretende KRH Aufsichtsratsvorsitzende, Barbara Schulte, KRH Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur, Regionspräsident Hauke Jagau, KRH Aufsichtsratsvorsitzender.







Das Klinikum Region Hannover (KRH) schreibt das beste Ergebnis seiner Geschichte. Am Nachmittag konnte der Aufsichtsrat des kommunalen Krankenhauskonzerns ein positives Ergebnis der KRH GmbH von 2,6 Millionen Euro für das Jahr 2016 feststellen. 2015 hatte es bereits eine erhebliche Verbesserung der wirtschaftlichen Situation gegeben. Dennoch lag das Jahresergebnis noch bei einem Minus von 9 Millionen Euro. Parallel zum Gesamtergebnis legte das KRH auch bei den betrieblichen Erträgen zu. Diese stiegen um 4,3 Prozent auf 524 Millionen Euro. 123.611 Patientinnen und Patienten kamen zu einem stationären Aufenthalt in die somatischen Krankenhäuser. Parallel dazu stieg auch der erlösrelevante Casemix, der auch den Schweregrad der Behandlungsbedürftigkeit widerspiegelt, von 122.722 Case-Mix-Punkten in 2015 auf 124.215 Case-Mix-Punkte im Jahr 2016.

„Das ist ein guter Tag für unser Klinikum und für die Region“, stellt Regionspräsident Hauke Jagau, Aufsichtsratsvorsitzender der KRH GmbH, fest. „Der Kurs der Region, in eine nachhaltige Konsolidierung und Modernisierung unseres Krankenhausunternehmens zu investieren, zeigt Wirkung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sehr stolz auf diese Zwischenbilanz sein.“ „Umso mehr, als dass sie einen enormen Anteil an diesem Erfolg haben“, ergänzt Elke Nobel, stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der KRH GmbH „Ohne die hohe Identifikation und das Engagement aller Beschäftigten wäre diese schnelle Konsolidierung nicht gelungen. Dafür gebührt ihnen unsere Anerkennung, Respekt und Wertschätzung. Im Namen des gesamten Aufsichtsrates und der Region bedanken wir uns herzlich.“

Rasche Trendwende geschafft

Ursprünglich sah der Konsolidierungskurs ein positives Ergebnis erst für das Jahr 2017 vor. Der rasche Erfolg ist umso bemerkenswerter im Angesicht der Turbulenzen, in denen sich der kommunale Krankenhauskonzern noch vor drei Jahren befand, erinnert sich Barbara Schulte, KRH Geschäftsführerin Finanzen und Infrastruktur: „Im Familienkreis würde man sagen: Das Girokonto war deutlich überzogen. 2013 musste für die KRH GmbH ein Minus von fast 21 Millionen Euro festgestellt werden und in 2014 auch noch ein Minus von fast 17 Millionen Euro. 2015 war es ein Minus von 9 Millionen Euro. Insofern ist das Jahresergebnis für 2016 beachtlich und unter großen Mühen, Anstrengungen und einer hohen Kompromissbereitschaft aller Beschäftigten entstanden. Ich persönlich freue mich umso mehr, dass wir die Früchte unserer gemeinsamen Arbeit bereits früher ernten können als ursprünglich angenommen.“ Möglich wurde dieser Erfolg für das KRH durch ein umfangreiches Paket an Konsolidierungsmaßnahmen. Eine Vielzahl von kurzfristig, mittelfristig und langfristig angelegten Projekten hat geholfen, die Organisation zu verbessern. Hier konnten bei den Sachkosten oder bei der Optimierung von Ablaufprozessen erhebliche Potentiale gehoben werden. Dies gelang beispielsweise durch Standardisierung von Medizinprodukten oder auch die starke Reduktion von Beraterkosten.

EBITDA und Jahresergebnisse 2011-2016

Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der jüngsten positiven Entwicklung ist der deutlich spürbare Kulturwandel im Unternehmen. Beschäftigte aus allen Hierarchieebenen und Bereichen übernehmen Verantwortung, wie dies auch im beteiligungsorientierten Ansatz des Reformpaketes Medizinstrategie vorgesehen war. Dies wurde unterstützt durch gezielte personelle Veränderungen auf Führungspositionen. 2016 war außerdem geprägt von der abgestimmten Weiterentwicklung von KRH-weit aufgestellten, patientenfernen Strukturen. So gelang es Doppelvorhaltungen zu reduzieren und Prozesse effektiver und produktiver zu gestalten. Durch diese Optimierungen wurde es 2015 möglich, 135 Vollkraftstellen überwiegend im administrativen Bereich sozial verträglich abzubauen. Auch 2016 sank die Zahl um 107 Vollkräfte ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Im Jahresmittel 2016 hatte die KRH GmbH 4.266 Vollzeitstellen. In der KRH Gruppe waren es 5.476 Vollzeitstellen. Aufgrund des hohen Teilzeitanteils liegt die durchschnittliche Beschäftigtenzahl jedoch deutlich höher, für die KRH GmbH bei liegt sie bei 5.327. Für den gesamten Konzern ergibt sich hier eine Zahl von fast 7.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Eingeschlossen sind hier die Töchter Auszubildende, Freiwilligendienstleistende und passive Beschäftigte. „Unseren Beschäftigten haben wir die gute Nachricht schon in den vergangenen Monaten an unterschiedlichen Stellen immer wieder zukommen lassen“, erklärt Michael Born, KRH Geschäftsführer Personal. „Der Kraftakt der Konsolidierung läuft aus. Wir werden wieder verstärkt Stellen aufbauen, nämlich da, wo auch die Leistungen steigen, also vor allem in den patientennahen, den pflegerischen und ärztlichen Bereichen.“

Fachkräftemangel festzustellen

Der Fachkräftemangel ist auch im KRH angekommen. „Das war und ist eine besondere Herausforderung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, ergänzt Born. „Angesichts der demographischen Entwicklung können und wollen wir nicht nur auf den externen Arbeitsmarkt hoffen. Wir setzen auf unsere steigende Attraktivität als Arbeitgeber, auf unsere eigene KRH Akademie mit ihren über 600 Auszubildenden, aber auch auf die Gesunderhaltung und Zufriedenheit unserer Beschäftigten, die unter herausfordernden Bedingungen einen hervorragenden Job in der Krankenversorgung leisten.“ Zu diesem Zweck wurde in 2016 mit einem Programm zur Arbeitsfähigkeit gestartet, das sich mittlerweile in der Umsetzungsphase befindet.

Medizinische Schwerpunktbildung

Ein weiterer Grund für den Sanierungserfolg liegt in der begonnenen Konzentration von Leistungsschwerpunkten im Rahmen der Medizinstrategie 2020. Dies spiegelt sich in der schon genannten Entwicklung der Patientenzahlen und bei den erlösrelevanten Casemixpunkten (CMP) wider. „Dies ist ein Ergebnis der konsequenten Weiterentwicklung des medizinischen Leistungsangebotes und der hervorragenden Arbeit der KRH Beschäftigten“, konstatiert Dr. Matthias Bracht, KRH Geschäftsführer Medizin. „Die Patientinnen und Patienten sind zufrieden mit unseren Angeboten. Das ist umso höher zu bewerten, als wir an einigen Standorten mit baulichen Defiziten zu kämpfen haben. Dies spricht eindeutig für die gute Medizin und Pflege, die unsere Beschäftigten anbieten. Für 2016 hatten wir aufgrund des Leistungswachstums einen gezielten Personalaufbau im Bereich Pflege und Medizin geplant. Leider konnten wir diesen Aufbau nicht im gleichen Tempo realisieren wie die Leistungssteigerung. Das war nicht beabsichtigt, zeigt aber die enorme Leistungsfähigkeit des KRH Teams.“ Für die KRH Geschäftsführung ist das Jahr 2016 die Phase, in der der KRH Motor auf Betriebstemperatur gekommen ist und auch die richtige Geschwindigkeit gefunden wurde. Allerdings sei die Drehzahl in manchen Bereichen zu hoch – was auf Dauer für keinen Motor gut sei. „Unser Ziel muss es deshalb sein, mit intelligenten Prozessverbesserungen die Geschwindigkeit zu halten, aber die Drehzahl zu senken. Um also im Bild zu bleiben: Wir müssen in den nächsthöheren Gang schalten“, so die gemeinsame Einschätzung der drei Konzernlenker.

Bei der Umsetzung der Medizinstrategie 2020 konnten 2016 wesentliche Meilensteine erreicht werden. Dazu gehört beispielsweise die Umsetzung des Konzeptes im Bereich der Lungenheilkunde mit der Ausweitung der Kapazitäten für langzeitbeatmete Patientinnen und Patienten und die Stärkung der Tumortherapie. Auch wird die Teleneurologie von Neustadt am Rübenberge auf die Standorte in Großburgwedel und Gehrden ausgeweitet. Das Endoprothetikzentrum am Standort Laatzen wurde durch eine erste Stationssanierung im Rahmen einer komplexen Modernisierungsplanung für den Operationsbereich gestärkt. Die Labor GmbH wurde zu 100% vom KRH übernommen. Auch konnte das wichtige strategische Wachstumsfeld Altersmedizin durch den Aufbau entsprechender Abteilungen wie zuvor in Neustadt am Rübenberge und am Standort Siloah nun auch an den Standorten Laatzen und Gehrden weiter entwickelt werden. „Wir haben hier einen sehr konsequenten Weg eingeschlagen, unsere medizinischen Versorgungsangebote standortübergreifend zu organisieren und so aufzubauen, dass jeder Patient die Versorgung erhält, die er benötigt, egal mit welcher Erkrankung und egal an welchem KRH Standort er zu uns kommt“, verdeutlich Medizingeschäftsführer Bracht die Grundphilosophie des Konzerns. „Dass sich dieser Ansatz auch wirtschaftlich positiv auswirkt, davon waren wir immer überzeugt. 2016 können wir das erstmals ablesen.“

Investitionsfähigkeit steigern

Durch die positive wirtschaftliche Entwicklung und bessere Prozesssteuerung hat sich der Cashflow deutlich verbessert, was zu einer höheren Liquidität geführt hat. Dies wiederum hat für das KRH größere Gestaltungsspielräume für Investitionen geschaffen. In 2016 konnte die KRH GmbH fast 15,7 Millionen Euro investieren. Aus Eigenmitteln waren dies rund 10,8 Millionen Euro und aus Fördermitteln des Landes Niedersachsen 4,9 Millionen Euro. „Elementar für die Umsetzung unserer strategischen Ziele ist die Finanzierbarkeit der angestrebten Maßnahmen“, macht Geschäftsführerin Schulte deutlich.“ Nach wie vor haben manche Standorte des KRH mit einem erheblichen Investitionsstau zu tun. „Wir werden unserer Strategie weiter treu bleiben und uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren“, so Schulte weiter. „Dazu gehört es auch, Immobilen, die wir nicht mehr benötigen, der Verwertung zuzuführen. Dies und die bundesweit besondere Situation, dass unser Eigentümer in der Lage und willens ist, unsere nachhaltigen Investitionsmaßnahmen zu unterstützen, gepaart mit unserer wirtschaftlichen Gesundung, werden uns zunehmend in die Lage versetzen, Investitionen aus Eigenmitteln zu stemmen, ohne dabei zusätzlich langfristige Verbindlichkeiten einzugehen.“

Lange über das Jahr 2017 hinaus wird sich das KRH mit weiteren Modernisierungsvorhaben beschäftigen. Herausgehobene Bauprojekte sind der zweite Bauabschnitt am KRH Klinikum Robert Koch Gehrden, zu dem der niedersächsische Ministerpräsident bereits die positiven Signale zur Förderung durch das Land überbracht hat, die Neustrukturierung des Leistungsangebotes an den Standorten im Osten der Region, in Großburgwedel, Laatzen und Lehrte, mit den baulichen Notwendigkeiten für einen Neubau in Großburgwedel und einem Erweiterungsbau im KRH Klinikum Lehrte und schließlich der Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in der KRH Psychiatrie Wunstorf. Die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, sei es der Fixkostendegressionsabschlag oder das Krankenhausstrukturgesetz, machen es für Krankenhäuser nicht unbedingt leichter, erfolgreich zu wirtschaften. „Wir, als Konzern, haben entschieden, uns diesen Herausforderungen zu stellen“, betont die KRH Geschäftsführung. „Wir müssen und wollen weiter gemeinsam mit unseren Beschäftigten, erhebliche Anstrengungen und Mühen auf uns nehmen, um unseren Versorgungsauftrag zu erfüllen: Die stationäre medizinische Versorgung der über 1,2 Millionen Menschen in der Region Hannover zu sichern und zukunftsfähig zu entwickeln.“

 

 

Donnerstag, 15. Juni 2017