Garten und Haushalt wieder voll im Griff

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KRH-Kardiologen bieten schonendes Verfahren gegen Undichtigkeit der Herzklappe

Ingrid Hardekopf erfährt von Prof. Dr. Marc Merx, wie der Mitraclip funktioniert.

„Kugelstoßen, Weitsprung – und beim Handball war ich in der Verteidigung.“ Wenn Ingrid Hardekopf von ihren sportlichen Aktivitäten erzählt, funkeln ihre Augen. Auch mit Mitte 80 war sie noch fit. „Meinen Haushalt und meinen Garten habe ich mit viel Spaß alleine gepflegt.“ Vor drei Jahren schien es damit vorbei zu sein. Eine Undichtigkeit ihrer Herzklappe warf sie völlig aus der Bahn. Mit Hilfe eines schonenden Eingriffsverfahrens hat sie ihre alte Lebensqualität zurückerhalten.

„Mir ist es damals so schlecht gegangen wie noch nie“, erinnert sich Ingrid Hardekopf an den Jahreswechsel 2014/2015. Sie klagte über Wassereinlagerungen in den Beinen und im Gesicht sowie über blaue Lippen. Die wenigen Stufen in den ersten Stock zu ihrer Wohnung wurden zum unüberwindlichen Hindernis. In der Klinik für Kardiologie, Rhythmologie und internistische Intensivmedizin im KRH Klinikum Siloah stellte Chefarzt Prof. Dr. Andreas Franke über eine Ultraschalluntersuchung fest, dass eine Undichtigkeit der Mitralklappe die Ursache für die Beschwerden war. „Die Klappe ist ein Rückstauventil“, erklärt der Herzspezialist. „Aus der linken Herzkammer soll das sauerstoffreiche Blut in den Körperkreislauf gepumpt werden. Durch die Undichtigkeit der Mitralklappe floss ein großer Teil des Blutes aber immer wieder zurück in die Vorkammer, es staute sich zurück in die Lungengefäße und konnte so den Körper nicht ausreichend versorgen. So erklärt sich dann auch die extreme Luftnot.“

Noch vor wenigen Jahren hätte den Kardiologen außer der Medikamentengabe keine wirkliche Therapie zur Verfügung gestanden. Die in solchen Fällen übliche Therapie, eine Herzklappen-Operation mit Hilfe einer Herz-Lungenmaschine, ist für alte Menschen sehr belastend und risikoreich. „Glücklicherweise haben wir im KRH die Möglichkeit etabliert, die Mitralklappenundichtigkeit über einen sehr schonenden Kathetereingriff zu therapieren“, erklärt Franke. Mit Prof. Dr. Marc Merx, Chefarzt der Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten, Internistische Intensivmedizin im KRH Klinikum Robert Koch Gehrden, besprach er die Befunde seiner Patientin. Merx ist spezialisiert auf die schonende Methode, bei der mit einer Klammer ein Teil der Herzklappensegel so verschlossen wird, dass das Ventilprinzip wieder funktioniert. „Man muss sich diesen Mitraclip wie eine flexible und kleine Wäscheklammer vorstellen“, verdeutlicht der Herzspezialist. „Über einen kleinen Zugang in der Leiste schieben wir den Katheter über die Vene bis zum Herzen und dann über die Vorhofscheidewand vor. Durch diesen Katheterschlauch kann der Clip bis in die linke Herzkammer geführt werden. Hier werden dann mittels des aus Nitinol und Goretex bestehenden Implantats die Mitralklappensegel wieder zueinander geführt.“

Das so genannte Clipping ist eine echte Teamleistung. Franke war beim Eingriff bei seiner Patientin dabei. Sein Part: Über eine Schluckechosonde konnte er während des gesamten Eingriffes prüfen, wie der Mitraclip sitzt und ob er die Herzklappe abdichtet. Merx gelang es schon nach kurzer Zeit, den Clip so zu platzieren, dass kaum noch Blut zurückfloss.

Ingrid Hardekopf war während des Eingriffes in einer Narkose. Sie spürte nichts. Bereits wenige Tage später kam sie in die Reha. Heute muss sie lediglich zwei Mal im Jahr zu einer ambulanten Kontrolle ins Siloah oder Klinikum Robert Koch Gehrden kommen. „Ich fühle mich wirklich fit“ gesteht die 87-Jährige. „Meine Tochter versucht mich zwar immer zum Besuch in einem Fitnesscenter mit einer Herzsportgruppe zu motivieren, aber mir reicht es eigentlich, dass ich meinen Haushalt und meinen Garten noch alleine versorgen kann.“

 

Freitag, 11. Mai 2018